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Paulinerverein e. V. & Freunde der Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig, Brühl 76, 04109 Leipzig

Herrn Ministerpräsident Stanislaw Tillich,

Archivstraße 1, 01097 Dresden

Leipzig, am 30. Januar 2009

Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, am Ort der gesprengten Universitätskirche St. Pauli entsteht ein neues Haus, das auch die politische Antwort von heute auf das Verbrechen der Sprengung von 1968 sein soll. Das in der „Erklärung vom 15. Dezember 2008“ von Frau Professor M. Harms mitgeteilte Ergebnis der Gespräche über den Neubau der Universitätsgebäude am Augustusplatz lässt – neben weiteren wichtigen Fragen ! – offen, ob der Bauherr im Einvernehmen mit der Universitätsleitung die Trennung in einen sakralen und einen weltlichen Raum vornehmen wird. Demnächst wird darüber entschieden, ob der Nachfolgebau der gesprengten Universitätskirche durch eine Trennwand geteilt wird. Eine solche Trennung wäre ein Bruch mit der Geschichte der Leipziger Universität – unabhängig von allen damit verbundenen bautechnischen und akustischen Problemen. Die Entscheidung für eine Trennwand wäre als politische Antwort auf die Sprengung von 1968 unerträglich. Wird nicht gewährleistet, dass der gesamte Raum gleichberechtigt Kirche und Aula sein kann, entsteht ein pseudo-sakraler Nachfolgebau, der in seinem äußeren Erscheinungsbild lediglich daran erinnert, dass dort früher einmal eine Kirche stand. Wenn heute aber das neu entstehende Haus nicht wieder die Universitätskirche St. Pauli sein darf, werden letzten Endes die Intentionen von 1968 fortgeführt. Die dpa-Meldung vom 26. 01. 2009 zum Neubau am Augustusplatz fasst treffend zusammen: „Der auffällige Neubau hat deutliche Anmutungen eines Sakralbaus, ist aber ausdrücklich keine Kirche.“ Wir haben die klare Aussage des Finanzministers Prof. Unland auf dem Richtfest am 21. Oktober 2008 dankbar aufgenommen und nicht vergessen: „Diese Universität repräsentiert die Glaubens- und die Wissenschaftsfreiheit und vor allem auch die 1989 in Leipzig errungene politische Freiheit. Ich würde mir es also wünschen, wenn diese drei Freiheiten gemeinsam und nicht getrennt ihre Widerspiegelung in der Gestaltung des Innenraumes finden würden.“ Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, dringend, alles zu tun, um den Einbau dieser Trennwand zu verhindern. Alternativvorschläge zur Trennwand liegen vor. So könnte beispielsweise problemlos eine separate Klimatisierung besonders schützenswerter geborgener Kunstwerke erfolgen, wie sie weltweit (z. Bsp. beim Genter Altar) erfolgreich angewendet wird. Zudem wäre die Präsentation der geborgenen Kunstwerke im Gesamtraum möglich. Nach derzeitiger Konzeption für die Gestaltung des Innenraumes soll der Chorraum – wo Andachten stattfinden -, durch die Anbringung von dutzenden Epitaphen vorrangig museal gestaltet werden. Im Kirchenschiff / Aula hingegen soll nicht ein einziges Epitaph, das an die 600-jährige Universitätskirche erinnert, aufgehängt werden, obwohl dort große Flächen zur Verfügung stehen. Der Erklärung von Frau Prof. Harms vom 15.12. 2008 ist nicht zu entnehmen, dass die Kanzel nach ihrer Restaurierung an den tatsächlich „historischen Ort“, also in das Kirchenschiff kommen wird. Die Veranstaltungen zum 40. Jahrestag der Sprengung am 30. Mai vorigen Jahres - mit dreimal weit über tausend Besuchern im Gottesdienst, auf dem Augustusplatz und im Gedenkkonzert – und die Beteiligung der Leipziger Bevölkerung an der Kundgebung am 31. Oktober 2008 haben wie die Wortmeldungen tausender Bürger gezeigt, dass es in dieser Stadt und darüber hinaus im ganzen Land ein großes Interesse einer engagierten Bürgerschaft an der Wiedergewinnung der Universitätskirche gibt. Auch haben jüngst zwei voneinander unabhängige Meinungsumfragen Leipziger Zeitungen mit dem Ergebnis, dass sich 69 % bzw. 77 % der Befragten gegen eine Trennung des Raumes aussprachen, gezeigt, in welchem Maße unsere Bemühungen von der Bürgerschaft verstanden und mitgetragen werden. Für die einmal gewonnene Einsicht werden wir auch in Zukunft einstehen:„Nur eine klare Entscheidung für die Universitätskirche St. Pauli, die als Kirche - it Altar und Kanzel - und als Aula genutzt werden kann, ohne Trennwand zwischen Chorraum und Kirchenschiff, überwindet die Unrechtsentscheidung on 1968 wirklich.“

Mit freundlichen Grüßen !

Prof. Dr. theol. Christoph Michael Haufe Dr. Ulrich Stötzner

Freunde der Universitätskirche St. Pauli Vorsitzender des Paulinervereins


Dr. Christian Jonas Pfr. Gerd Mucke

Stellv. Vorsitzender des Paulinervereins Stellv. Vorsitzender des Paulinervereins