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BÜRGERINITIATIVE >FÜR EINE WELTOFFENE; WELTLICHE UND AUTONOME UNIVERSITÄT LEIPZIG<

Kontakt zum Thema: Johannes Schroth / Stallbaumstraße 11 / 04155 Leipzig / T.: 0341-5614676 / hannes.schroth@we.de


Herrn Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Archivstraße 1, 01097 Dresden

Leipzig, am 18.02. 2009

Schreiben des Paulinervereins Leipzig an den Ministerpräsidenten v. 30.01.09

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Anlass unseres Schreibens ist der an Sie persönlich gerichtete Brief des Paulinervereins vom 30.01.2009.

Bevor wir darauf näher eingehen, stellen wir uns hier kurz vor. Wir sind eine Bürgerinitiative, die die Universität Leipzig in Ihrem Bestreben autonom, weltlich und weltoffen zu sein, unterstützt, wie Sie aus der Anlage ersehen können.

Weiter unterstützen wir die Universität bei ihrem durch aktuelle Ereignisse noch schwieriger gewordenen Unterfangen, bis zum Jubiläum im Dezember dieses Jahres das >Paulinum< fertig zu stellen. Dazu ist es notwendig, dass die Planung nicht mehr verändert und der so genannte >Harms-Kompromiss< von allen Beteiligten akzeptiert wird.

In dem o. g. Schreiben des Paulinervereins werden Behauptungen aufgestellt, die so nicht zutreffen. Die Realisierung der daraus abgeleiteten Forderungen würde nachweisbar zu einer völligen Veränderung der Planung und damit Verschiebung der Termine sowie zu weiteren Kostenerhöhungen führen. Unsere Einwände zum Schreiben der >Pauliner<:

1.Es handelt sich nicht um eine „Erklärung vom 15. Dezember 2008“, sondern um einen Kompromiss zwischen der Landeskirche, dem Freistaat Sachsen und der Universität, dem die Beteiligten, nach Vermittlung von Frau Professor M. Harms, zustimmten.

2.Beim Paulinum handelt es sich, nicht um einen Nachfolgebau der gesprengten Universitäts-Kirche, sondern, um einen zentralen Ort der Universität, in dem die Aula, ein Andachtsraum „Universitätskirche Sankt Pauli“, sowie im Obergeschoss weitere Räume der Fakultät Mathematik und Informatik untergebracht sind (s. a. Bauunterlagen und „Harms Kompromiss“). Mehr als 3000 Bürger unterstützten mit ihrer Unterschrift die Haltung der Universität und der Bürgerinitiative, so dass der Paulinerverein nicht von einer Mehrheit für seine Haltung ausgehen kann.

3.Es ist falsch zu behaupten, dass es durch den Einbau einer Glaswand bautechnische und akustische Probleme gibt. Im Gegenteil: Die Glaswand ist Voraussetzung für die angestrebte Multifunktionalität und die damit verbundenen Anforderungen an Akustik, Raumklima und Betriebskosten-Rentabilität. Die heutige Polemik des Paulinervereins um die auch von unserer Seite verurteilte Sprengung der Universitätskirche 1968, teilweise verbunden mit persönlichen und unsachlichen Angriffen auf den Rektor der Universität, ist wahrhaft unerträglich.

4.Glaubensfreiheit nur für eine Konfession?, an einer weltoffenen Universität? Unsere Freiheit wird durch den Einbau einer funktionalen, durchsichtigen Trennwand nicht gefährdet.

5.In zahlreichen persönlichen Gesprächen, welche unsere Bürgerinitiative mit den Bürgern unserer Stadt direkt am Informationsstand vor dem neu entstehenden Paulinum geführt hat, wurde immer wieder die im Grundgesetz verankerte Trennung zwischen Staat und Kirche angemahnt und darauf hingewiesen, dass mit Steuergeldern keine neue Kirche gebaut werden sollte, zumal Leipzig sehr viele schöne Kirchen hat, die erhalten werden müssen.

Wir wollten Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, unseren Standpunkt zu den Ansichten des Paulinervereins nahe bringen und bitten Sie, sich für die Beibehaltung des nach langem Ringen erreichten >Harms-Kompromisses< einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Bürgerinitiative

Jana Adler Johannes Schroth

Anlage: [überarbeiteter Aufruf]

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