FBL.2015-05-11

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Forum Bürgerstadt Leipzig

Das nächste Forum findet statt am

11. Mai 2015, 16:30 Uhr wie immer in der Volkshochschule, Löhrstraße 3-7, 04105 Leipzig.

Im Mittelpunkt steht das Thema „Gentrifizierung im Leipziger Westen aus Sicht der Bürger“.

Leipzig wächst und lockt viele junge Menschen an. In der Diskussion rund um das positive Wachstum der Stadt warnen Experten immer wieder vor der Gentrifizierung einzelner Quartiere. Doch was ist eigentlich Gentrifizierung? Der Begriff bezeichnet die Aufwertung eines Stadtteils z. B. durch Sanierung mit der Folge, dass die dortige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird. In ihrem Vortrag widmet sich die studentische Gruppierung „einundleipzig“ der Frage, ob es auch im Leipziger Westen Gentrifizierung gibt.

In ihrem „Online-Magazin“ einundleipzig.de informieren sie über ihre Themen und haben eine Plattform für Engagierte geschaffen. Sie zeigen auf, wie andere Engagierte in Leipzig ihre Themen über das Internet kommunizieren und Interessierte erreichen und einbinden können. Denn insbesondere junge Menschen sind heute online zu mobilisieren.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen. Alle sind herzlich eingeladen!!!

Im Auftrag
Ralph Keppler, 23.04.2015

  • Folien von Herrn Amann zum Projekt einundleipzig.de

Protokoll

  • Moderation: Beate Tischer
  • Protokoll: Lara Leuschen, Praktikantin im Stadtplanungsamt – „Leipzig weiter denken“

Gentrifizierung im Leipziger Westen aus Sicht der Bürger

Präsentation von Wolfgang Amann von „einundleipzig.de“

  • Die Initiative „einundleipzig.de“, vor 1½ Jahren von drei zugezogenen Studenten gegründet, beschäftigt sich auf ihrer gleichnamigen Online-Plattform, einem neuen Kommunikationskanal, mit Themen der Stadtentwicklung in Leipzig. Dazu zählen neben der Gentrifzierung im Leipziger Westen u. a. Reportagen zum dynamischen Bülowviertel oder zum Leben in Plattenbausiedlungen in Grünau.
  • Auf der Plattform sollen Bürger die Möglichkeit haben, sich objektiv zu informieren, auszutauschen und auf Augenhöhe mitzugestalten. „eindundleipzig.de“ hat dabei den Anspruch an sich selbst, Qualitätsjournalismus zu betreiben. Der Einsatz unterschiedlicher Medienformate wie Videos, Karten, Texte und Statistiken soll einen umfassenden Einblick in die Themengebiete gewähren. Bei ihren wissenschaftlichen Ausarbeitungen wurde „einundleipzig.de“ von Prof. Dieter Rink (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig) und Sebastian Lenz (Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig) unterstützt.
  • Anstoß zur Gründung der Initiative, die von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wird, war der „Hype“ um Leipzig. So bezeichnete der Focus im Februar 2014 Leipzig als das neue Berlin und auch die Stadt setzte sich im „Arbeitsprogramm Leipzig! 2020“ mit dem positiven Medienecho auseinander. Diese Popularität der Stadt zeigt sich auch in der Bevölkerungsentwicklung. Seit 2011 verzeichnet Leipzig einen jährlichen Bevölkerungsgewinn von ca. 10.000 Einwohnern.
  • Es ist aus Sicht von „einundleipzig“ u. a. dieser sehr hohe Bevölkerungszuwachs, der in einigen Stadtgebieten zum politisch und wissenschaftlich umstrittenen Phänomen der Gentrifizierung führt. Gentrifizierung bezeichnet die Verdrängung von Kreativen, Studenten und alteingesessener Bevölkerung aus günstigen Wohnraum in attraktiver Lage. Durch (Luxus-)sanierungen und damit den Zuzug einer zahlungskräftigerer Bevölkerung, kommt es zur Homogenisierung des Stadtteils. Beispiele für Gentrifizierung im Leipziger Westen sind z. B. das Kaufhaus Held oder die Kneipe NO 32.
  • Zur Veranschaulichung der Problematik steht auf der Plattform eine interaktive Mietkarte zur Verfügung, die kleinteilig für einzelne Quartiere den durchschnittlichen Mietpreis für Neuvermietungen angibt. Die Daten stammen aus den aktuellen Inseraten von Online-Immobilien-Portalen. Auch eine innovative Grafik zu Wanderungsbewegungen innerhalb der Stadt soll Aufschluss über Tendenzen in Leipzig geben.
  • Ihre Plattform begreift die Initiative dabei als städtisches Gemeingut. Denn alle Inhalte dürfen unter Angabe der Quelle für nicht-kommerzielle Zwecke frei weiterverwendet werden. Dies gilt auch für die Programmierung der Website. Auf der Plattform „github“ sind alle notwendigen Informationen veröffentlicht. So soll es auch anderen Engagierten möglich sein, ihre Anliegen publik zu machen.

Diskussion im Plenum

Im Teilnehmerkreis erkundigt man sich nach dem Ziel der Gruppierung. Herr Amann erläutert, dass die Initiative vor allem aus einer idealistischen Motivation heraus entstanden ist. Da es zuvor keine ähnliche Plattform gab, hat man sie aus eigenem Interesse geschaffen und möchte sie nun der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Auf den Einwand hin, dass das Wichtigste nun sei, den nächsten Schritt zu gehen und die Frage zu klären, wie man Gentrifizierung aufhalten kann, verweist Herr Amann darauf, dass auch die Wissenschaft keine eindeutige Position zur Gentrifizierung hat. Die Initiative „einundleipzig.de“ sieht jedoch einen Lösungsansatz im Stoppen der Veräußerung städtischen Eigenbesitzes. Auch die Wohnungsbaugesellschaften sollten weniger Immobilien verkaufen.

Kritisch angemerkt wird die Mietpreisberechnung der interaktiven Mietkarte der Plattform, da es sich lediglich um Angebotsvermietungen handelt und Bestandsmieten nicht erfasst werden. Ein Teilnehmer ermuntert dazu, über die Betrachtung der Mietpreise hinauszugehen und bei der Untersuchung von Gentrifizierungstendenzen vor allem die Durchmischung und soziale Segregation von Stadtteilen miteinzubeziehen.

Aus dem Teilnehmerkreis wird jedoch auch davor gewarnt, Gentrifizierung als „Wortkeule“ zu verwenden und als etwas grundsätzlich Schlechtes zu sehen. Viele Menschen freuen sich über die Aufwertung ihres Stadtteils.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass jegliches Mitwirken an der Plattform oder das Einbringen eigener Anliegen willkommen sind. Es ist wichtig, dass das Potential solch einer Plattform für alle Engagierten und ihre Themen eingerichtet und genutzt werden kann. Die technischen medialen Möglichkeiten stehen zur Verfügung. Denn mithilfe dieses innovativen Kommunikationskanal können neue Mitstreiter erreicht und gewonnen werden.

Information und Sonstiges

Frau Tischer kündigt folgende Termine der Veranstaltungsreihe „Leipziger Gespräch“ an:

  • Leipziger Gespräch – Dietmar Bär, Schauspieler
    Montag, 01.06.2015, 20:00 Uhr
  • Leipziger Gespräch speziell zu den Bachtagen – Sir John Eliot Gardiner, Präsident der Stiftung Bach-Archiv Leipzig, Dirigent und Chorleiter,
    und Prof. Dr. Peter Wollny, Direktor des Bach Archivs Leipzig, Musikwissenschaftler
    Samstag, 13.06.2015, 11:00 Uhr
  • Leipziger Gespräch – Ulrich Deppendorf, Journalist und Fernsehmoderator
    Mittwoch, 01.07.2015, 20:00 Uhr

Die Veranstaltungen sind entgeltfrei.